Von kalten Zehen und Weihnachtswundern.

Es grenzt an Masochismus: Man zwingt sich mitten in der sternenkalten Nacht einen unglaublich steilen Hügel hoch, verkriecht sich in einer nur mit Holz beheizbaren Hütte ohne Dusche oder Rückzugsmöglichkeit und verbringt ein Wochenende halb frierend, halb strahlend im Kreis von ein paar Wahnsinnigen, die sich RaRo der Gruppe 39 nennen. Und Weihnachten, Weihnachten ist auch noch.

Willkommen zum Bericht unseres ganz besonders gemütlichen und herrlich ereignislosen Weihnachtslagers in der pittoresken Abgeschiedenheit der Rover-Hütte in Bad Vöslau, die uns wie eine Zeitreise in die klischeehaft schöne Vergangenheit und eine harmonisch-idyllische Zukunft gleichzeitig vorkam.

Beim wildromantischen Knistern des Ofens erlebten wir weihnachtlichen Tanzeinlagen und Engerl-Bengerl- Verausgabungen. Vor allem aber erbrachten wir kulinarische Höchstleistungen- frei nach dem Motto, es ist Weihnachten, wenn du nicht so viel gegessen hast, dass du dich nicht nur nicht mehr bewegen kannst, sondern es auch unvorstellbar findest, irgendwann wieder einmal deine jetzige Position zu verlassen, hast du etwas falsch gemacht.

Und an diesem Wochenende machten wir alles richtig. Weil wir aber Pfadfinder sind und immer irgendwie einen Ausweg finden, schafften wir es auch diesen unvorstellbaren Zustand zu überwinden und zogen los die nächtliche (und sehr, sehr kalte) Welt zu erkunden. Bei einer wildromantischen Vollmondwanderung lernten wir wieder an Magie und die Kapazität unserer Mägen zu glauben. Es gibt wohl kaum etwas Schöneres als mit kitschig roten Wangen und eingefrorenen Zehen nachhause zu einem Kaminfeuer zu kommen.

Außerdem haben wir uns sehr gefreut, dass bei dieser Gelegenheit Anna, Stanzi und Günther ihr RaRo- Versprechen in einer mystischen Höhle abgelegt haben- unsere Gemeinschaft ist gewachsen,  unsere Herzen sind aufgegangen und irgendwo stirbt jetzt vermutlich ein Einhorn vor Entzückung über diese Zeremonie.

Abgeschlossen wurde das Wochenende in perfekter Idylle mit einem ganz besonderen Weihnachtsgeschenk: einer Tombola des trotz unserer Orgien übergeblieben Essens. Ich (Clara und Autorin dieses Berichts, die jetzt unprofessionell, weil begeistert, aus ihrer Beobachterrolle tritt) habe Lauch gewonnen. Und ja, ich bin Vegetarier. Guter Tag.

Und ja, es grenzt an Masochismus, aber auch an Magie.

Frohe Weihnachten (für 2017 natürlich) !